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Wie baue ich eine eigene Firma?

18 Januar 2009 5.700 views No Comment

Allen Arbeitssuchenden bietet der Deutsche Staat eine hervorragende Möglichkeit den Weg in die Selbstständigkeit zu finden. Maßnahmen, welche vor einigen Jahren noch unter dem Dach der sogenannten Ich-AG gebündelt wurden, wurden zugunsten anderer Regelungen ersetzt. Falsch ist daher, dass es nach der Ich-Ag keine brauchbare Förderung durch die Arge mehr gab. Es bestehen nun zwei Ansätze aus der Arbeitslosigkeit ein eigenes Unternehmen zu gründen, welche ich hier kurz in den Grundzügen erklären möchte. Jeder, der sich für eine dieser beiden Wege interessiert, sollte seinen Arbeitsberater aufsuchen und sich dort beraten lassen. Grundsätzlich verteilt die Agentur für Arbeit diese Art Maßnahmen gern, da die Firmengründer sofort aus der, für das Ansehen so wichtigen Arbeitslosenstatistik fallen.

Der erste Weg ist eine Gründung aus ALG-II heraus. Hier fördert das Arbeitsamt jeden Gründer mit ca. 300 € Monatlich, wobei die Krankenkasse sowie die Rentenversicherung weiterhin vom Arbeitsamt gezahlt werden. Bedenkt man nun, dass eine Krankenversicherung monatlich ca. 230,- € kostet und in Kombination mit einer Rentenversicherung ca. 300,- € ist eine Förderung mit ca. 600 monatlich ein eleganter Weg in die Selbstständigkeit. Das Arbeitsamt verlangt in unregelmäßigen Abständen nach einer Einnahmen-Überschussrechnung, der Art Rechnung, die auch für den Gang zum Finanzamt notwendig ist. Sollte sich die Firma positiv entwickeln, wird die Förderung schrittweise heruntergefahren. Da Firmen in den ersten Jahren jedoch Geschäftsmittel wie Computer, Schreibtische, Stühle, Lampen etc. anschaffen müssen, ist davon auszugehen, dass die Einnahmen-Überschussrechnung dürftig ausfallen wird, man also auch längerfristig in den Genuss einer Förderung kommen kann. War es früher so, dass Selbstständige, welche den Weg zurück zum Arbeitsamt antreten müssen mit einer zeitlich begrenzten  Sperrung der Leistung zu rechnen hatten, so ist dies heute nicht mehr der Fall. Sollte sich die Firma also nicht entwickeln steht der Weg zum zurück zur Bundesanstalt für Arbeit bzw. der ARGE jedem sofort frei.

Der zweite Weg beschreibt die Förderung aus ALG-I. Hier ist die Förderung im Gegensatz zur Förderung aus ALG-II heraus fest auf ca. ein Jahr angelegt. Es werden weiter 70% des letzten Lohnes plus monatlich ca. 300€ gezahlt. Was je nach vorhergehender Einkommenssituation einen passablen Firmenstart ermöglicht. Allerding muss bei der Förderung aus ALG-I heraus die Krankenkasse sofort selbst gezahlt werden.

Um starten zu können fehlt also nur noch eine Idee und ein Geschäftsraum. Günstig ist es, wenn Geschäfts- und Wohnraum eine Einheit bilden können. Allerdings ist es nicht möglich, jede Wohnung als Geschäftsraum zu deklarieren. In größeren Städten gibt es jedoch oft genug Ladenlokale mit Verkaufsraum und mehreren auch als Wohnraum nutzbaren Zimmern. Der Erfolg eines Unternehmens hängt selbstverständlich ganz maßgeblich von der Idee ab. Idealerweise ist diese noch nicht zu abgegriffen, was auch für die Förderung eine Rolle spielt, denn vor einer Zusage muss dem Arbeitsamt in der Regel ein Businesskonzept schriftlich vorgelegt werden. Meine Erfahrung jedoch ist, dass die Mitarbeiter hier mit der Prüfung schnell überfordert sind und gern durchwinken, was auch ein gewisses Risiko beinhaltet.

Viele Ideen sind zum Scheitern verurteilt. Einen Stand für belegte Brötchen zu eröffnen ist beispielsweise eine dieser Ideen, welche ich persönlich für Nonsens halte, da sehr viele Brötchen für viel Geld verkauft werden müssen, um die Firma dauerhaft rentabel zu betreiben.
Mit Brötchen zu expandieren dürfte sich zudem als kompliziert erweisen, da bereits viele andere Unternehmen Brötchen verkaufen, was nicht zuletzt auch einen Druck auf die Preise schafft.

Es gibt viele Seminare, welche den Weg in die Selbstständigkeit vorbereiten können. Ich ganz persönlich halte diese nur für begrenz tauglich. Wer das erste Mal im Seminar erklärt bekommt, wie eine Firma grundsätzlich funktioniert oder wirtschaftet, dem würde ich von einer Gründung abraten wollen. Es gibt viele kluge Ratschläge, einer davon, der den Nagel in jedem Falle auf den Kopf trifft, lautet, „du heiratest deine Firma“. Unter 10 Stunden Arbeit pro Tag ist eigentlich nichts zu machen, es sei denn es gelingt Plastik in Gold umzuwandeln. Von größter Bedeutung jedoch ist, zu verstehen, welche Steuern gezahlt werden müssen, sowie welche Rolle das Finanzamt spielt, die Jungs verstehen im Gegensatz zu vielen anderen Institutionen keinen Spaß und sind darüber hinaus im Stande jedes Unternehmen dem Erdboden gleich zu machen.

Allerdings hat auch das Finanzamt ein Herz für Kleinunternehmer und belohnt die Gründung eines solchen Unternehmens mit einer Umsatzsteuerbefreiung für ca. ein Jahr. Das bedeutet, dass die Mehrwertsteuer (19%), welche normalerweise auf alle ausgehenden Rechnungen erhoben und dem Finanzamt zugeführt werden müsste, hier entfällt. Dieser Punkt erlaubt dem Kleinunternehmen Waren oder Leistungen entweder 19% günstiger an private Endkunden zu verkaufen bzw. 19% mehr Gewinn zu machen. Geschäfte mit Unternehmen (und da sitzt das Geld) bleiben davon jedoch defakto unberührt, weil sich diese die Umsatzsteuer sowieso wieder holen können.

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